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Wenn die Drohne das Feld beackert

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Wenn die Drohne das Feld beackert

Sensortechnik und GPS sind in der Landwirtschaft längst Stand der Technik. Drohnen sind noch neu, werden aber wohl auch hier Fuß fassen. Die Vorteile liegen auf der Hand.

Klipphausen. Kleine weiße Kapseln kullern aus der Tüte in den Behälter, der an der Drohne befestigt ist. Axel Weckschmied macht ihn voll. Die Kapseln enthalten Larven von Schlupfwespen. Gleich wird Weckschmied, Inhaber der Dresdner Firma Hexapilots, den Multicopter abheben und über das Feld fliegen lassen. Das Fluggerät wird die Kapseln präzise auf den Acker abwerfen. Dort sollen die Schlupfwespen später schlüpfen und dem Maiszünsler den Garaus machen.

Normalerweise. Doch an diesem Montag hält er nur eine Showvorführung ab. Das Feld in der Nähe von Klipphausen (Landkreis Meißen) ist längst abgeerntet. Im Beisein von Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) demonstriert Weckschmied zusammen mit Landwirt Jörg Weinhold, wie modernste Technik die Arbeit auf den Feld verändern und verbessern kann. Schmidt jedenfalls sieht großes Potenzial in der Digitalisierung der Landwirtschaft: "Die Technik hilft dabei, noch genauer zu wissen, was die Pflanzen an Nährstoffen und Pflanzenschutzmitteln benötigen", sagt Schmidt.

Landwirt Weinhold, der mit seiner RRS Agrardienstleistungs GmbH Riemsdorf neben eigenen Flächen auch für andere Betriebe Felder bewirtschaftet, nutzt schon seit drei Jahren die Drohnen von Weckschmied, um den Zünsler auf den Maisfeldern in Schach zu halten. Weinhold ist zufrieden. Die Schlupfwespenmethode sei ähnlich effektiv wie der Pflanzenschutz mit Insektiziden. Man müsse aber auf die Witterung in den darauffolgenden Tagen achten - bei sehr trockenem, heißem Wetter schlüpften die Wespen schlecht.

Der Maiszünsler zählt zu den schwerwiegendsten Schädlingen im Maisanbau. Der Falter legt die Eier auf den Blattunterseiten ab. Die geschlüpften Larven bohren sich dann in die Stängel der Maispflanzen ein. Das schwächt deren Standfestigkeit und führt zu Ernährungsstörungen und am Ende zu Ertragsverlusten. Die Schlupfwespen wiederum suchen sich die Eigelage der Zünsler, um ihre Eier in diese zu legen. Aus den parasitierten Eiern schlüpfen die kleinen und für den Menschen ungefährlichen Erzwespen - die Maiszünslerentwicklung ist somit unterbrochen.

Natürlich könnten Weinhold und seine Leute die Wespenlarven auch per Hand aufs Feld bringen. Doch das wäre aufwendiger. Die Drohne hingegen kann auf eine genau definierte Flugroute programmiert werden, sodass der Abwurf zielgenau erfolgt. Etwa vier Minuten braucht das Fluggerät, um die Kapseln auf einem Hektar auszubringen. Mit rund 30 Euro je Hektar schlägt die biologische Schädlingsbekämpfung zu Buche. Das sei vergleichbar mit den Kosten beim Versprühen von Insektiziden, heißt es. Die Spezialdrohne selbst ist nicht ganz billig: Rund 10.000 Euro müssen dafür auf den Tisch gelegt werden, sagt Weckschmied.

Der Dresdner fliegt aber nicht nur Schlupfwespen aus. Er hat verschiedene Drohnen im Einsatz. Mit Kameras ausgestattet, werden etwa Flächen vermessen, Wildschäden erfasst und Inspektionen durchgeführt. Mit speziellen Multispektralkameras lässt sich auch ein Vegetationsindex erstellen. So kann sichtbar gemacht werden, wo es Wachstumsunterschiede gibt. "Man kann die Bestände in geringer Höhe überfliegen und bewerten. Das war vorher nicht möglich", sagt Weinhold. Und er ist überzeugt, dass noch mehr möglich sein wird. "Die Drohne steht erst am Anfang der Entwicklung."

Immer mehr Landwirte nutzen offenbar schon jetzt die Möglichkeiten der intelligenten Landwirtschaft (Smart Farming). Drohnen-Pilot Weckschmied arbeitet für fünf Maschinenringe (Vereinigung, bei der sich Betriebe zusammenschließen, um Landtechnik gemeinsam zu nutzen) sowie mehrere größere Agrarbetriebe. "Ich bin dieses Jahr schon 850 Hektar abgeflogen", berichtet er.

"Mit dem Smart Farming spart der Landwirt Betriebsmittel, Arbeitszeit sowie Maschinenkosten ein. Zudem trägt der Einsatz dieser Methoden zu einer ökologisch verträglichen Nutzung der natürlichen Ressourcen bei", sagt der Landwirtschaftsminister. Der entscheidende Punkt dabei ist die Vernetzung der Daten, etwa zu Boden- und Pflanzenzustand, Produkteigenschaften, Wetter und Betriebsmitteln. Es sei aber noch ein großer Schritt nötig, um den Datenpool auch umfassend zu nutzen, sagt Weinhold. Ziel sei es, Logarithmen etwa für den Pflanzenschutzmittel-Einsatz zu finden. "Ich möchte das Mittel wirklich nur an die Stelle spritzen, an der es gebraucht wird", erklärt Weinhold, der schon seit Jahren in seinem Betrieb nutzt, was technisch möglich ist.

Seit Ende der 1990er-Jahre haben die Schlepper hier Sensoren. Heute seien sie mit PC-Technik ausgerüstet, zwei bis drei Computer im Cockpit seien "völlig normal". "Wir haben Stück für Stück angefangen und werden das weiter ausbauen", so der RRS-Chef. Präzisionsackerbau (Precision Farming) nennt man das; es gilt als Vorstufe zum Smart Farming. Das werde in der heimischen Landwirtschaft bereits vielfach praktiziert, schätzt Minister Schmidt ein. Auch bei Weinholds Firma: Das Spritzfahrzeug verfügt über ein GPS-gestütztes Spurführungssystem. Auf dem Feld steuert es selbst.

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